Home SchareinAktuelles SchareinVeranstaltungen SchareinPresse SchareinTexte SchareinAtelier SchareinBiografie SchareinKontakt SchareinSCHAREIN
 



zurück    

SCHAREIN


Scharein wandte sich vor 25 Jahren von Reliefs aus Karton ab und verlegte sich auf die Tafelbildmalerei. Farbe, eine sekundäre Qualität im Gegenständlichen wird in seinen Gemälden zur primären Eigenschaft und selbst Gegenstand. An amerikanische Farbfeld-Maler wie Mark Rothko, Barnett Newman und Ad Reinhard, an die Hardedge-Malerei eines Frank Stella, Kenneth Noland und Ellsworth Kelly, an europäische Repräsentanten der Monochromie wie Yves Klein und Gotthard Graubner anknüpfend, bahnt sich Scharein einen Weg, der zur Farbe als stoffliche Substanz und als Sinnesempfindung führt, der rationales Farbexperiment und sinnliches Farbereignis, strenges Kalkül und Empfindungswerte verbindet.

Die meist großformatigen und mehrteiligen Bilder fordern als Suggestionen virtueller Farbkörper die Erlebnisfähigkeit des Betrachters heraus, obgleich sie dem suchenden Blick weder Halt noch Orientierungsmöglichkeiten bieten. Die maßlosen, unauslotbaren und mit Licht durchwobenen Farb-Raum-Flächen präsentieren sich gesättigt und dicht, bisweilen auch transparent, schwere- und substanzlos. Die subtilen Farbstriche und -punkte scheinen einer undurchschaubaren Gesetzesmäßigkeit unterworfen. Frei von Gestalt und Form entbunden, verwirklicht Farbe als ein stets sich wandelndes Element, das sich selbst generiert. Die Farbimpulse beleben den gesamten Bildkörper und überstrahlen seine faktischen Grenzen - und dennoch präsentieren sich die Arbeiten als durchdachte Kompositionen.

In unmittelbarer Nähe zum Bild kann ein ungemein differenzierter, streifenförmiger oder punktierter Farbauftrag erlebt werden, der eine nahezu makellose Farbhaut bildet, die unter immensen Arbeitsaufwand hervorgebracht wurde. In ihr liegen die Voraussetzungen für die unglaubliche Leuchtkraft und das Vibrato seiner Arbeiten.

Perfekter Farbauftrag, Rasterung , das Kalkül und ein analytisches Vorgehen charakterisieren zumeist die konstruktiv-konkrete Kunst. Scharein hingegen verankert seine Arbeiten durch die Bildtitel, die unter anderem herausragende Künstlerpersönlichkeiten aufrufen, in der Kunstgeschichte. Mit der Feinstruktur seiner Bilder, die bis zu 17 (!) farblich verschiedene Punkte auf einem (!) Quadratzentimeter zusammenziehen, erweist sich Scharein als ein Fanatiker des Details. Die akribische Differenzierung sichert jeder Stelle des Bildfeldes Individualität und Gleichwertigkeit.

Seine große Verehrung hinsichtlich der Leuchtkraft der Farben gilt Mathias Grünewald. Ihm widmet Scharein drei große Triptychen:

° Großer Blauklang (1990-91)

° Meister Mathis (1989) und

° Hommage a Meister Mathis (1983-85)

Die Hommage, die dem berühmten Isenheimer Altar (Colmar, vollendet 1515) gilt, überträgt die figürliche Zusammenhänge in changierende Farbstreifen. Die aus dem kleinteiligen Farbauftrag hervorgehenden Oszillationen und Irritationen führen in der Arbeit von Scharein zu einer Vertiefung der Farbwirkung, deren emotionale Qualität auf den Betrachter überspringt.

Versuche, Farbe als emotionalen Substanz zu objektivieren und weitergehend auf ein alle empirische Erfahrung übersteigende Unfassliches hin absolut zu setzen, bringen Scharein um 1980 zu sakralen Bildformen. Nicht zuletzt die "Sehnsuchtstriptychen" und die häufige Verwendung von Blau verweisen auf die romantische Ursprünge des inhaltliches Anspruchs der Schareinschen Bildtafeln. Ihnen liegt der Punkt zugrunde, den Friedruch Schlegel mit Chaos assoziiert: "Das erste Chaos ist nur der Punkt." Aus unendlich vielen Punkten konstituiert Scharein jene vibrierende Farbhaut, in der im Sinne der Romantik das Unendliche ins Endliche eingebettet ist.

Schareins nuancierte Licht- und Farbprogressionen werden als lebendige Prozesse in einem durchaus narrativen Sinne erfahrbar, Farbe erscheint als geballte Energie, deren anschauliche Aktivitäten und Qualitäten Assoziationen und Emotionen freisetzen. Dank dieser Fähigkeit vermag Farbe, wie sonst kaum ein Medium, metaphysischen Überstieg sichtbar zu machen. Die Gegensätze Fläche und Raum, Materialität und Immaterialität, Statik und Dynamik werden relativiert und gehen in Schareins Bilderwelt ineinander über. Als solche reflektieren sie das Denken als eine unendliche Reflexion, die mit einer räumlich gedachten Unendlichkeit des Zusammenhanges korrespondiert. Als eine erfüllte Unendlichkeit des Zusammenhangs bildet die unendliche Reflexion ein räumliches Kontinuum, in dem alles mit allem, jeder Farbton und jeder Punkt miteinander kommuniziert.


Dr. Marion Keiner, 2000







Neue Arbeiten
Neue Arbeiten
Arbeiten zu Gelb-Weiss-Blau Scharein
Arbeiten zu Blau-Schwarz-Gelb Scharein
Arbeiten zu Rot_Schwarz Scharein
Arbeiten zu Gelb-Schwarz Scharein
Arbeiten zu Gelb-Orange Scharein
Arbeiten zu Blau Scharein
Arbeiten zu Gelb Scharein

Triptychen und Sinfonien Scharein
Reisealtaere Scharein

Arbeiten bis 1999 Scharein

Siebgedruckte Arbeiten Scharein

Kartonarbeiten Scharein