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Arbeitsreihe Großer Wandelaltar
Vor etwas 20 Jahren kam ich über die Beschäftigung mit
dreiteiligen Bildern mehr und mehr zur Grundlage aller Tryptichon,
dem Wandelaltar. War meine Beschäftigung am Anfang in erster
Linie formal, so wurde mein Arbeitsansatz seit 1983 mehr und mehr
inhaltlich. So bezog ich mich über zehn Jahre auf bestimmte
Themen, nämlich die Verkündigung, die Kreuzigung und
die Auferstehung. Als großen Widerpart diente mir seit 1983
der "Isenheimer Altar" von
Grünewald, bei dem die von mir ausgewählten drei Themen
allerdings nicht in einem, sondern in zwei Triptychen mit anderen
Inhalten verknüpft sind.
Die linke Tafel beziehe ich in meinen Arbeiten immer auf die Verkündigung,
die mittlere Tafel auf die Kreuzigung und die rechte Seite auf
die Auferstehung.

"Hommage à Meister Mathis" | 1983-85 | 205x500
cm
Linke Tafel Mit der Verkündigung des Engels an Maria
beginnt für mich der Weg Jesu. Für mich bedeutet es
die Ankündigung einer neuen Kraft, die ich als dynamische
Bewegung von links in das Bild herein umsetze, in der vitalsten
und kraftvollste Farbe Ð dem Rot bzw. dem wärmsten Rot.
Mit der Auferstehung endet sein Erdendasein und das bedeutet gleichzeitig
für mich die Möglichkeit jenseits des Körperlichen,
dem Geist der Erkenntnis, näher zu kommen. Deshalb führe
ich in der rechten Tafel die Farbbewegung von unten nach
oben, aus der Dunkelheit hinauf in die Farbe der göttlichen
Erkenntnis, in das reine aufstrahlende Gelb bzw. in ein Türkisblau.
Die Mitteltafel bezieht sich als großes zentrales
Thema auf die Kreuzigung, die für mich allerdings nicht Erlösung
durch den Tod bedeutet, sondern eine meditative Rückbesinnung
auf die dem Menschen eigenen geistigen und emotionalen Fähigkeiten.
Jesus lässt sich ans Kreuz schlagen, um den Menschen die
Größe von Nächstenliebe und Liebe vor Augen führen,
als Aufforderung diese selbst zu leben.
In den letzten Jahren sind aus dieser Beschäftigung eine
Reihe mehrteiliger Arbeiten entstanden, die sich inhaltlich nicht
mehr am Isenheimer Altar, sondern an anderen Inhalten orientieren.
Berlin, den 27.3.2000

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